Fotografieren mit (entfesseltem) Blitz: Umgebungslicht ausblenden oder einbeziehen – wie man Kamera und Blitzgerät richtig einstellt.
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Kamera und Blitz: Belichtung richtig einstellen

8. Juni 2024, zuletzt aktualisiert am 24. Juli 2024 – 0 Kommentare

Umgebungslicht ausblenden oder einbeziehen: Die Vorgehensweise beim Einsatz von Blitzlicht lässt sich auf zwei Situationen herunterbrechen. Wie man Kamera und Blitz entsprechend einstellt, erläutere ich in diesem Artikel.

Crashkurs: Blitzen mit und ohne Umgebungslicht

Bei geblitzten Aufnahmen setzt sich die Belichtung aus der Belichtung auf das Umgebungslicht und der Belichtung auf das Blitzlicht zusammen. Das Praktische: In vielen Fällen lassen sich beide Belichtungen getrennt voneinander einstellen. Über die Belichtung auf das Umgebungslicht bestimmt man, in welchem Maß der Hintergrund im Bild sichtbar sein soll. Das Blitzlicht sorgt dafür, dass das Motiv im Vordergrund richtig belichtet wird.

Die Einstellung auf das Umgebungslicht verdient besonderes Augenmerk. Es besteht nämlich nicht nur die Möglichkeit, das vorhandene Licht einzubeziehen und so den Hintergrund ansprechend zur Geltung bringen. Ebenfalls ist es möglich, das Umgebungslicht komplett auszublenden und nur mit dem Blitzlicht zu arbeiten. Wie man die Kamera je nach Anwendungsfall hinsichtlich der Belichtungsparameter Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert einstellt und was es zu beachten gilt, wenn man im zweiten Schritt den (entfesselt betriebenen) Aufsteckblitz hinzunimmt, erläutere ich im Folgenden – in Theorie und Praxis.

Fotografieren mit entfesseltem Blitz – Set-up für das Beispiel-Shooting: Perückenkopf sowie Softbox inklusive Wabengitter (Grid).
Die Beispielbilder in diesem Beitrag stellen ein Porträt-Shooting nach. Geblitzt habe ich mit dem Aufsteckblitz Godox TT685, den ich mithilfe des Funkauslösers Godox X1T entfesselt von der Kamera, einer OM System OM-1, betrieben habe. Als Lichtformer diente eine 80 mal 80 Zentimeter große Softbox von Neewer mit eingesetztem Wabengitter (Grid). Als Stativ kam das Lichtstativ Walimex Pro WT-806 zum Einsatz. – © Metzger

Die Ausführungen basieren auf den Erläuterungen im Buch „Just one Flash! Tolle Fotos mit nur einem Blitz“ von Tilo Gockel, Heidelberg: dpunkt.verlag 2015. Das Kapitel Quickstart, das die beiden Anwendungsfälle am Beispiel zweier Shootings vorstellt, ist auf der Verlagswebsite als kostenlose Leseprobe (PDF) verfügbar.

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Fall 1: Umgebungslicht ausblenden

In aller Kürze: Belichtung nur mit Blitzlicht

  1. Kamera im M-Modus einstellen: Schwarzschuss aufnehmen (bei ausgeschaltetem Blitz)
  2. Blitz hinzunehmen: Blitzenergie manuell einstellen oder im TTL-Modus automatisch bestimmen und einstellen lassen

Wenn das Tages- oder Raumlicht nicht zu hell ist, besteht die Möglichkeit, es komplett auszublenden und nur mit dem Blitzlicht zu arbeiten. Man kann dann auf der grünen Wiese beginnen, eigenes Licht zu setzen. Am besten gelingt das, wenn man den Blitz entfesselt betreibt.

Lichtdiagramm – Aufnahmesituation 1: Umgebungslicht (durchs Fenster einfallendes Tageslicht) ausblenden, Beleuchtung nur mit Blitzlicht (Softbox), Model vor schwarzem Falthintergrund.
Lichtdiagramm zur Aufnahmesituation 1 – Umgebungslicht ausblenden: Das Model steht vor einem schwarzen Falthintergrund und soll von vorne links durch eine Softbox beleuchtet werden. Das Tageslicht, das durch das Fenster links in die Szene strahlt, gilt es auszublenden.

Damit die Belichtung ausschließlich über das Blitzlicht erfolgt, stellt man die Kamera im manuellen Modus (M-Modus) so ein, dass das (eventuell störende und/oder unvorteilhafte) Umgebungslicht nicht mehr im Bild zu sehen ist:

  • Als Belichtungszeit wählt man die Blitzsynchronzeit – zuzüglich einen Puffer für eventuelle Auslöseverzögerungen beim Einsatz funkentfesselter Blitze. Man landet regelmäßig im Bereich von 1/125 bis 1/200 Sekunde.
  • Die Blende stellt man entsprechend der gewünschten Schärfentiefe ein.
  • Den ISO-Wert wählt man so klein wie möglich und so hoch wie nötig. Man wägt ab zwischen geringem Rauschen (kleiner ISO-Wert), Blitzentlastung (größerer ISO-Wert) und dem Wunsch, das Raumlicht zu unterdrücken (kleiner ISO-Wert).

Kurz erklärt: Blitzsynchronzeit

Bei der Blitzsynchronzeit handelt es sich um die kürzeste Verschlusszeit, für die eine Kamera den Blitzeinsatz zulässt – Blitz-Betriebsarten wie etwa Kurzzeitsynchronisation (High-Speed Sync) außer Acht gelassen. Bei der OM-System OM-1 z.B. liegt die Synchronisationszeit bei 1/250 Sekunde. Ist die Belichtungszeit kürzer, gibt die Verschlussmechanik den Sensor zu keinem Zeitpunkt mehr vollständig frei. Der Blitzeinsatz hätte einen schwarzen Balken im Bild zur Folge.

Nun macht man eine Testaufnahme ohne Blitz und kontrolliert, ob das Umgebungslicht wirkungsvoll unterdrückt ist (Schwarzschuss). Ist noch zu viel Umgebungslicht sichtbar, sind die Werte für Blende, Belichtungszeit und ISO nachzujustieren. Wenn die Belichtung stimmt, nimmt man den Blitz hinzu.

Aufnahmesituation 1 unter Einsatz von Umgebungslicht.
Diese Aufnahme zeigt die im Lichtdiagramm beschriebene Szene unter Einsatz von Umgebungslicht. Deutlich ist zu sehen, wie das Tageslicht den Perückenkopf im 90-Grad-Winkel von der Seite anstrahlt. Die vom Betrachter aus rechte Gesichtshälfte liegt im Schatten (Split Light). Um nun die Lichtsetzung nach eigenen Wünschen zu gestalten, blendet man das Umgebungslicht aus und arbeitet allein mit dem Blitzlicht. – © Metzger
Aufnahmesituation 1 – Schwarzschuss bei ausgeschaltetem Blitz: Das Umgebungslicht ist ausreichend unterdrückt.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Die Testaufnahme fällt fast schwarz aus, das Umgebungslicht ist wirkungsvoll unterdrückt. Erreicht wurde dies mit den folgenden Belichtungseinstellungen: f/4.0 • 1/200 Sekunde • ISO 200.

Spiegellose Systemkameras: Belichtungssimulation ausschalten

Hinweis: Spiegellose Systemkameras zeigen sowohl im elektronischen Sucher (EVF) als auch auf dem Display die aus den Belichtungseinstellungen resultierende Helligkeit der späteren Aufnahme als Live-Vorschau an. Bei den oben gewählten Belichtungseinstellungen ist das Bild dunkel – wodurch sich das Fotografieren entsprechend schwierig gestaltet. Abhilfe schafft man, indem man die Belichtungssimulation der Kamera (je nach Hersteller auch Belichtungsvorschau oder Live-View genannt) deaktiviert. Dadurch wird das angezeigte Live-Bild künstlich aufgehellt. Bei der OM-System OM-1 ist der simulierte optische Sucher (S-OVF) zu aktivieren (Zahnrad-Menü 3: Live View > Kamera LV-Modus).

Dunkel: Das Display der OM System OM-1 bei starker Unterbelichtung.
Die Belichtungssimulation der OM-1 stellt Abweichungen bezüglich der von der Kamera ermittelten Belichtung nur solange korrekt dar, wie sich diese in einem Bereich von maximal drei Lichtwerten (EV) bzw. Blendenstufen bewegen. Im vorliegenden Fall ist die Live-Ansicht daher heller als das eigentliche Bild, das um mehr als drei Blenden unterbelichtet ist. Das ändert nichts daran, dass das Fotografieren mit einem fast dunklen Live-Bild nicht besonders komfortabel ist. – © Metzger
Simulierter optischer Sucher: Bei aktiviertem S-OVF-Modus zeigt die OM System OM-1 auch bei starker Unterbelichtung ein helles Bild in der Live-Vorschau.
Es werde Licht: Der S-OVF-Modus der OM-1 simuliert einen optischen Sucher und hellt das Live-Bild elektronisch auf. Die belichtungsunabhängige Darstellung vereinfacht das Fotografieren in Fällen, in denen die Live-Vorschau eigentlich ein schwarzes Bild liefern würde. – © Metzger

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Fall 2: Umgebungslicht einbeziehen

In aller Kürze: Blitzlicht und Umgebungslicht

  1. Kamera im M-Modus einstellen: Auf das Umgebungslicht, sprich: den Hintergrund, belichten (bei ausgeschaltetem Blitz)
  2. Blitz hinzunehmen: Blitzenergie manuell einstellen oder im TTL-Modus automatisch bestimmen und einstellen lassen

Nicht viel komplizierter ist die Vorgehensweise, wenn man das vorhandene Licht einbeziehen und auf diese Weise den Hintergrund ansprechend im Bild sichtbar machen möchte. Was zu beachten ist: Um die Belichtung auf das Umgebungslicht und die Belichtung auf das Blitzlicht unabhängig voneinander einstellen zu können, darf das Motiv, in der Porträtfotografie das Gesicht des Models, nicht allein schon durch das Umgebungslicht korrekt belichtet sein – sonst könnte man kein Blitzlicht mehr hinzunehmen. Das Motiv sollte also im Schatten liegen.

Lichtdiagramm – Aufnahmesituation 2: Umgebungslicht einbeziehen, Fensterfront als Hintergrund, Beleuchtung des Models durch Blitzlicht (Softbox).
Lichtdiagramm zur Aufnahmesituation 2 – Umgebungslicht einbeziehen: Das Model steht vor einer Fensterfront und soll von vorne rechts durch eine Softbox beleuchtet werden. Der Hintergrund, also die Zimmereinrichtung sowie die Außenumgebung, soll im Bild sichtbar sein.

Um die Belichtung auf das Umgebungslicht einzustellen, orientiert man sich an der Belichtungsmessung der Kamera (Belichtungswaage). Für mehr Dramatik, und um den Blick auf das Motiv zu lenken, belichtet man den Hintergrund etwas unter, z.B. um einen Lichtwert (EV). Die Parameter Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert stellt man manuell (M-Modus) ein und geht dabei wie folgt vor:

  • Die Blende stellt man entsprechend der gewünschten Schärfentiefe ein.
  • Die Belichtungszeit wählt man so lange wie nötig, aber noch so kurz, dass weder Verwacklungs- noch Bewegungsunschärfe auftreten. Man landet bei Werten zwischen 1/60 und 1/200 Sekunde (Blitzsynchronzeit). Je kürzer, desto besser.
  • Den ISO-Wert wählt man so hoch wie nötig, aber so niedrig, dass er hinsichtlich des Rauschens noch vertretbar ist. Je niedriger, desto besser.

Nun macht man einen Probeschuss ohne Blitz und kontrolliert das Ergebnis. Wenn nötig, justiert man die Werte für Blende, Belichtungszeit und ISO nach. Stimmt die Belichtung, nimmt man den Blitz hinzu.

Aufnahmesituation 2 bei ausgeschaltetem Blitz: Einstellung auf das Umgebungslicht testen, Hintergrund beurteilen.
Der Probeschuss zeigt, dass die Belichtung auf das Umgebungslicht in Ordnung ist und der Hintergrund durch die geringe Schärfentiefe gut wirkt. Mehr noch: Das Umgebungslicht, das durch das Fenster als Gegenlicht einfällt, liefert natürliche Effektlichter. Es wirkt als Haarlicht und betont als Kicker Light und Kantenlicht die Kontur des Perückenkopfs. Die Belichtungseinstellungen sind: f/2.8 • 1/125 Sekunde • ISO 200. Jetzt fehlt nur noch der Blitz, der das im Schatten liegende Gesicht des Perückenkopfs aufhellt. – © Metzger

Letzte Einstellgröße: Blitzlicht hinzunehmen

Nachdem die Belichtungseinstellung auf das Umgebungslicht abgeschlossen ist, bleibt die Blitzenergie als einzige Größe übrig, die es einzustellen gilt. Der Blitz wird im manuellen Modus betrieben.** Man beginnt im mittleren Bereich, etwa bei 1/8 der Blitzenergie, und macht eine Probeaufnahme.

Das Ergebnis beurteilt man anhand des Displays, des Histogramms und der Übersteuerungswarnung (Blinkies). Falls erforderlich, justiert man die Blitzstärke nach – wird der Blitz entfesselt betrieben, kann man auch mit dem Abstand zum Motiv spielen. Sollen weitere entfesselte Blitzgeräte zum Einsatz kommen, nimmt man diese nach und nach einzeln hinzu und kontrolliert deren Wirkung.

** Alternativ betreibt man den Blitz im TTL-Modus, in welchem die Blitzleistung automatisch bestimmt und eingestellt wird. Falls die Automatik daneben liegt, greift man per Blitzbelichtungskorrektur (FEC) ein.

Aufnahmesituation 1 – Porträt nur mit Blitzlicht, Umgebungslicht ausgeblendet. Lichtsetzung: Loop Light als Short Light.
Ergebnis Aufnahmesituation 1: Der Blitz wirft mit einer Leistung von 1/32 + 0,3 gerichtetes Licht von schräg oben auf den Perückenkopf und erzeugt so eine vorteilhafte Schattierung auf dem Gesicht. Diese Art der Lichtsetzung nennt sich Loop Lighting. Da die der Kamera abgewandte und somit schmälere Gesichtshälfte mehr Licht empfängt als die der Kamera zugewandte Seite, spricht man zudem von Short Lighting. Durch die ausgeprägte Schattierung wirkt das Gesicht plastisch, seine Form ist gut erkennbar. – © Metzger
Aufnahmesituation 2 – Porträt mit Blitzlicht und Umgebungslicht. Lichtsetzung: Loop Light als Short Light.
Ergebnis Aufnahmesituation 2: Wieder Loop Light als Short Light – dieses Mal kam das Licht allerdings von der anderen Seite; die Blitzleistung war auf 1/64 + 0,3 eingestellt. Im direkten Vergleich mit der Testaufnahme oben fällt auf, dass das Blitzlicht in diesem Fall nicht nur den Perückenkopf im Vordergrund beleuchtet hat, sondern auch den Raum dahinter. Nicht immer bestimmt also allein die Belichtung auf das Umgebungslicht, in welchem Maß der Hintergrund im Bild sichtbar ist. – © Metzger

Tipp: Entfesselt blitzen mit Lichtformer

Betreibt man den Aufsteckblitz entfesselt, stellt man ihn auf einen Abstand, auf dem er die Szene gut ausleuchtet, aber dennoch möglichst nah am Motiv steht. Kommt ein Lichtformer zum Einsatz, z.B. eine Softbox oder ein Durchlichtschirm, zieht man am Blitzgerät die Streuscheibe aus. Dadurch stellt sich der interne Reflektor im Blitz automatisch auf die kleinste Brennweite, so dass der Lichtformer möglichst gleichmäßig ausgeleuchtet wird.

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